040 Streetart

Fotoreportage:

Zwischen Farben und Rivalität – Die Graffiti-Szene von HSV und FC St. Pau

Es ist früh am Morgen. Die Straßen sind noch leer, doch die Wände erzählen bereits ihre eigenen Geschichten. Blaue Rauten, Totenköpfe, Schriftzüge und große Wandbilder ziehen sich durch Hamburg. Für viele Menschen sind es einfach nur Graffiti. Für andere zeigen sie, zu wem man gehört, wie stark der Zusammenhalt und die Rivalität ist.

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Schon seit einigen Jahren interessiere ich mich für Graffiti. Eine Zeit lang habe ich selbst gemalt und dadurch einen anderen Blick auf die Szene bekommen. Dabei ging es für mich nicht nur um das Sprühen selbst, sondern auch um die Kreativität, die verschiedenen Schriftarten und die Geschichten hinter den Bildern. Durch diese Erfahrungen wollte ich verstehen, warum gerade die Fans von HSV und FC St. Pauli so viele Spuren in Hamburg hinterlassen.

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Dabei habe ich gemerkt, dass die Graffiti-Szene heute viel größer ist als nur Fußball. Der HSV wurde 1887 gegründet, der FC St. Pauli 1910. Zwar stehen beide Vereine immer noch im Mittelpunkt, doch im Laufe der Jahre haben sich viele verschiedene Gruppen innerhalb der Fanszenen aufgebaut. Manche legen Wert auf große, saubere Wandbilder, andere sprühen lieber kleine Schriftzüge oder kleben Aufkleber. Jede Gruppe hat ihren eigenen Stil und möchte in der Stadt gesehen werden und zeigen, welcher Verein in Hamburg das Sagen hat.

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Trotzdem bleibt der Fußball die gemeinsame Grundlage. Die meisten Graffiti zeigen Vereinsfarben, Logos oder bekannte Fan-Symbole. Gleichzeitig geht es heute oft auch um Anerkennung innerhalb der Szene: Wer ein starkes Bild malt oder an schwierigen Orten sprüht, gewinnt Respekt und wird nicht so einfach von der Realität übermalt. So vermischen sich Fußball, Kunst und Graffiti-Kultur immer stärker.

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Die Rivalität zwischen HSV und FC St. Pauli spielt hier in Hamburg eine große Rolle. Viele Graffiti werden nach kurzer Zeit von der anderen Szene übermalt. Dadurch entsteht ein ständiger Wettstreit um die Wände der Stadt. Fast jede freie Fläche kann sich innerhalb weniger Tage verändern. So bleibt die Graffiti-Szene ständig in Bewegung.

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Die Orte unterscheiden sich. Im Westen Hamburgs, rund um das Volksparkstadion, findet man besonders viele Graffiti mit Bezug zum HSV. Im Stadtteil St. Pauli, rund um das Millerntor-Stadion, auf St. Pauli selbst, auf der Reeperbahn, und in den umliegenden Vierteln sind dagegen deutlich mehr Motive des FC St. Pauli zu sehen. In der Innenstadt, an Bahnstrecken, Unterführungen und an versteckten Orten trifft man häufig auf Graffiti beider Fanszenen. Dort lässt sich die Rivalität besonders gut erkennen.

Mit der Zeit ist eine eigene Kultur entstanden. Viele jüngere Sprüher schauen sich ältere Gruppen als Vorbild, übernehmen deren Schriftstile oder entwickeln neue Ideen. Dadurch verändert sich die Szene ständig. Manche Graffiti sind aufwendig geplant und legal entstanden, andere werden ohne Erlaubnis gesprüht und gelten als Sachbeschädigung. Gleichzeitig kann das Sprühen auch gefährlich sein, zum Beispiel an Bahngleisen, auf Dächern oder an stark befahrenen Orten, und es kommt dabei immer wieder zu Kriminalität wie Hausfriedensbruch oder anderen illegalen Aktionen. Innerhalb der Gruppen nehmen sich die Jüngeren oft ein Vorbild an den Älteren und gehen waghalsige Situationen ein. Genau diese zwei Seiten gehören zur Realität der Graffiti-Kultur in Hamburg.

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Wenn ich heute durch Hamburg gehe, sehe ich an vielen Wänden nicht nur Farbe, sondern auch Bewegung, Konkurrenz und Zugehörigkeit. Zwischen neuen Tags, übermalten Motiven und frischen Bildern bleibt die Stadt nie stehen. Und genau dort, zwischen den ersten Spuren am Morgen und der neuen Farben an der nächsten Wand, geht diese Geschichte immer weiter.

Und hört erst dann auf wenn sich Hamburg geeinigt hat !